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Die Geschichte vom Eierkuchen vs. Pfannkuchen

Kaum ein Gericht sorgt in Deutschland für so viel Sprachchaos am Frühstückstisch wie der Eierkuchen. Der eine bestellt in Dresden einen Pfannkuchen und bekommt ein Hefeteilchen mit Marmeladenfüllung serviert, der andere fragt sich in Köln, warum sein „Berliner“ eigentlich nach Berlin benannt ist, obwohl man das Gebäck dort unter diesem Namen gar nicht kennt. Zeit, ein bisschen Ordnung in diesen kulinarischen Flickenteppich zu bringen und dabei zu klären, warum der einfache Eierkuchen es verdient hat, als echte Kultspeise gefeiert zu werden.

Wo der Eierkuchen eigentlich herkommt

Eierkuchen auf dem Teller

Eierkuchen auf dem Teller / ©Alexey_Arz/depositphotos.com

Einen genauen Erfinder gibt es nicht, dafür reicht die Geschichte zu weit zurück. Schon die Römer kannten gewürzte Eierspeisen, allerdings noch ohne Mehl, eher eine Art Rührei mit Ambitionen. Als früher Vorläufer gilt außerdem das flache Fladenbrot, das über Feuer gebacken wurde und dem Eierkuchen in Form schon recht nahekommt. Das erste komplette Rezept mit allen Zutaten, die man heute erwarten würde, taucht erst im 15. Jahrhundert auf: Hirsemehl, Zucker, Eier und Käse, verrührt und in der Pfanne gebacken. Von Hirsemehl zu Weizenmehl und von Käse zu Milch war es dann nur noch eine Frage der Zeit und der Zutaten, die gerade im Haus waren.

Das große Ost-West-Rätsel (Eierkuchen oder Pfannkuchen)

Und jetzt wird es kompliziert, auf eine wunderbar deutsche Art. Quer durchs Land verläuft eine unsichtbare Sprachgrenze, die mit Politik nichts zu tun hat, aber trotzdem verblüffend nah an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze verläuft. Im Osten, also in Berlin, Sachsen, Thüringen und weiten Teilen Brandenburgs, heißt die flache Süßspeise aus der Pfanne Eierkuchen.

Das Wort Pfannkuchen ist dort für etwas ganz anderes reserviert: das mit Marmelade gefüllte Hefegebäck, das im Westen als Berliner bekannt ist. Im Westen und Süden läuft es genau andersherum: Dort ist der Pfannkuchen die flache Süßspeise, während das Hefeteilchen je nach Region Berliner, Kräppel oder, in Bayern und Österreich, Krapfen heißt.

Eierkuchen nach DDR-Rezept: Omas Klassiker zum Nachkochen

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Wer aufmerksam gelesen hat, weiß bereits, warum das Gericht im Osten Deutschlands einen anderen Namen trägt als im Westen und warum es dort seit Generationen zu den beliebtesten Sonntagsfrühstücken zählt. Hier kommt jetzt das eigentliche Rezept, so wie es in vielen ostdeutschen Küchen bis heute gemacht wird: wenige Zutaten, klare Schritte, garantiert gelingsicher.

Zutaten für 4 bis 6 Eierkuchen

  • 300 g Mehl
  • 500 ml Milch
  • 4 Eier
  • 1 Prise Salz
  • Butterschmalz oder Margarine zum Ausbacken

Zubereitung

  • Milch, Eier und Salz in einer Schüssel mit dem Schneebesen glatt verquirlen.
  • Das Mehl darübersieben, damit sich keine Klümpchen bilden, und alles zu einem glatten Teig verrühren.
  • Den Teig etwa 10 Minuten ruhen lassen, dabei quillt das Mehl und der Teig wird geschmeidiger.
  • Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen, eine Kelle Teig hineingeben und bei mittlerer Hitze verteilen.
  • Von beiden Seiten goldgelb ausbacken, dabei die Pfanne zwischendurch leicht schwenken, damit nichts anhängt.

Der Trick für extra fluffigen Teig

Wer den Eierkuchen etwas luftiger mag, ersetzt einen Teil der Milch durch Mineralwasser mit Kohlensäure. Die Bläschen lockern den Teig zusätzlich auf, ohne dass sich am Geschmack etwas ändert. In vielen DDR-Küchen war das ein bekannter Kniff, um aus dem einfachen Grundrezept ein bisschen mehr Fluffigkeit herauszuholen, ganz ohne Backpulver oder andere Zusätze.

Süß oder herzhaft: beide Richtungen funktionieren

Klassisch kommt der Eierkuchen süß auf den Tisch, am liebsten mit Apfelmus und einer Prise Zucker, alternativ auch mit Marmelade oder einfach nur Zucker und Zimt. Wer es herzhaft mag, füllt ihn mit Quark und Kräutern oder isst ihn pur als Beilage zu einer klaren Suppe, in vielen ostdeutschen Haushalten früher eine gängige Art, Reste vom Vortag noch sinnvoll zu verwerten. Beide Varianten lassen sich aus demselben Grundteig zubereiten, der Unterschied liegt nur im Belag.

Aufbewahren und aufwärmen

Übrig gebliebene Eierkuchen lassen sich gestapelt mit Backpapier dazwischen im Kühlschrank ein bis zwei Tage aufbewahren. Zum Aufwärmen reicht eine beschichtete Pfanne bei niedriger Hitze, so bleiben sie innen weich und außen wieder leicht knusprig. Wer größere Mengen vorbereitet hat, kann sie auch einfrieren und bei Bedarf direkt aus der Tiefkühltruhe in die Pfanne geben.

Wer keine Lust auf Selberkochen hat, findet bei uns im Speiseplan regelmäßig deftige und süße Klassiker aus der ostdeutschen Küche. Einen Überblick über unser Liefergebiet in Sachsen und Brandenburg gibt es hier: Übersicht der Liefergebiete & Speisepläne.

Die Anekdote, die (leider) nicht ganz stimmt

John und Jacqueline Kennedy mit Kindern

John und Jacqueline Kennedy mit Kindern

An dieser Stelle darf die berühmteste Pfannkuchen-Anekdote der Weltgeschichte nicht fehlen, auch wenn sie sich bei genauerem Hinsehen als Legende entpuppt. John F. Kennedy sagte 1963 in West-Berlin den berühmten Satz „Ich bin ein Berliner“ und soll damit angeblich ausgesprochen haben, er sei ein mit Marmelade gefülltes Gebäckstück, worüber die Zuhörer schallend gelacht haben sollen.

Sprachwissenschaftler haben diese Geschichte inzwischen gründlich auseinandergenommen: Grammatikalisch war der Satz völlig korrekt, das „ein“ war sogar notwendig, um klarzumachen, dass Kennedy sich im übertragenen Sinn als Berliner fühlte, ohne tatsächlich dort zu wohnen. Die Legende vom lachenden Publikum taucht erstmals 1983 in einem britischen Spionageroman auf, zwanzig Jahre nach der eigentlichen Rede.

Der eigentliche Witz dabei: Das Wort Berliner für das Gebäckstück wird in Berlin selbst gar nicht benutzt, dort heißt es ja bekanntlich Pfannkuchen.

Der Eierkuchen als DDR-Kindheitserinnerung

Kleines Mädchenin DDR Küche

Kindheitserinnerungen selbstgemachte Eierkuchen / ©Volurol/depositphotos.com

In der DDR war der Eierkuchen keine Nebensache, sondern fester Bestandteil des Speiseplans, sonntags zum Frühstück ebenso wie als schneller Snack nach der Schule oder als herzhafte Beilage abends. Das Rezept blieb dabei erfreulich unkompliziert: Mehl, Milch, Eier, eine Prise Salz, mehr brauchte es nicht. Serviert wurde er meist mit Apfelmus oder Marmelade und einem Glas Milch dazu, wer es herzhaft mochte, füllte ihn mit Quark oder aß ihn pur zur Suppe. Für viele, die in der DDR aufgewachsen sind, ist der Geruch von frisch gebackenem Eierkuchen bis heute eng mit der Küche der Großmutter verbunden, ein Gericht, das keine großen Zutaten brauchte, um trotzdem in Erinnerung zu bleiben.

Lustige Sprüche zum Eierkuchen

Friede Freude Eierkuchen Familie

Friede Freude Eierkuchen Familie

Der Eierkuchen hat es nicht nur in unzählige Küchen geschafft, sondern auch in die deutsche Sprache. Kaum ein anderes Gericht liefert so viele Redewendungen, Zitate und Gelegenheiten für einen Spruch am Frühstückstisch. Hier eine Sammlung: echte Redewendungen mit Herkunft, ein Zitat mit Fragezeichen und ein paar eigene Zeilen zum Weitersagen.

„Friede, Freude, Eierkuchen“

Der bekannteste Eierkuchen-Spruch überhaupt. Gemeint ist damit eine Situation, die nach außen harmonisch wirkt, in Wirklichkeit aber Probleme nur überdeckt statt sie zu lösen, also eher Schönwetterstimmung als echter Frieden. Woher der Spruch stammt, ist bis heute nicht restlos geklärt, selbst eine offizielle Preisfrage der Gesellschaft für deutsche Sprache konnte den Ursprung nicht sicher zurückverfolgen. Belegt ist die Redewendung immerhin seit 1959 im Satiremagazin Eulenspiegel, richtig bekannt wurde sie aber 1989, als sie zum Motto der allerersten Loveparade in Berlin wurde. Seitdem taucht sie überall dort auf, wo jemand eine zu glatte, zu unkritische Stimmung entlarven will.

„Man kann keinen Eierkuchen backen, ohne ein paar Eier zu zerschlagen.“

Dieser Satz wird auf vielen Zitatsammlungen Napoleon Bonaparte zugeschrieben, meist im Zusammenhang mit seiner rücksichtslosen Kriegsführung. Die genaue Quelle dafür lässt sich allerdings nicht seriös belegen, solche Zuschreibungen an bekannte historische Personen sind bei Online-Zitatsammlungen mit Vorsicht zu genießen. Unabhängig davon, wer den Satz ursprünglich gesagt hat: Als Bild für „ohne Aufwand kein Ergebnis“ hat er sich gehalten, auch weil er sich fast wortgleich auf Englisch findet („you can’t make an omelette without breaking eggs“).

Ein Pfannkuchen, der wegläuft: das Märchen dazu

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Was viele nicht wissen: Der Pfannkuchen hat sogar sein eigenes Märchen. „Vom dicken fetten Pfannekuchen“, aufgezeichnet von den Brüdern Carl und Theodor Colshorn im 19. Jahrhundert aus der Gegend um Braunschweig, erzählt von einem Pfannkuchen, der lebendig wird, seinen Bäckern davonrollt und auf seiner Flucht durch den Wald allerlei hungrigen Tieren begegnet, die ihn gerne verspeisen würden. Wer an dieser Stelle an den amerikanischen Gingerbread Man denkt, liegt goldrichtig: Beide Geschichten gehören zu einer ganzen Familie von Märchen über fliehendes Gebäck, die in mehreren europäischen Sprachräumen erzählt werden.

Warum der Eierkuchen zu Recht als Kultspeise gilt

Ein Gericht, das mit drei Grundzutaten auskommt, seit Jahrhunderten überlebt, eine eigene Sprachgrenze quer durch Deutschland hat, in einem Märchen die Hauptrolle spielt und sogar in einer weltberühmten Rede für Verwirrung sorgen konnte, hat sich den Titel Kultspeise redlich verdient. Ob süß mit Apfelmus, herzhaft mit Quark oder einfach pur direkt aus der Pfanne, der Eierkuchen bleibt eines der ehrlichsten Gerichte der deutschen Küche: schnell gemacht, günstig, und trotzdem voller Geschichte.

Wenn Sie keine kulinarischen Highlights verpassen möchten, empfehlen wir Ihnen, regelmäßig einen Blick auf unseren aktuellen Speiseplan zu werfen – oder folgen Sie uns auf Facebook oder/und Instagram. So bleiben Sie stets auf dem Laufenden und erfahren als Erste:r, welche genussvollen Überraschungen wir für Sie bereithalten.

Häufige Fragen zum Eierkuchen

Warum heißt der Eierkuchen im Osten anders als im Westen?
Weil quer durch Deutschland eine sprachliche Grenze verläuft: Im Osten heißt die flache Süßspeise Eierkuchen und das Hefeteilchen mit Marmelade Pfannkuchen, im Westen und Süden ist es genau umgekehrt.

Stimmt die Geschichte, dass Kennedy sich als Marmeladengebäck bezeichnet hat?
Nein, das ist eine Legende, die erst 1983 in einem Spionageroman auftauchte. Sprachlich war Kennedys Satz „Ich bin ein Berliner“ korrekt, und Berichte über ein lachendes Publikum sind nicht belegt.

Woher stammt der Eierkuchen ursprünglich?
Ein genauer Ursprung lässt sich nicht mehr bestimmen. Vorläufer waren gewürzte Eierspeisen der Römer sowie flaches Fladenbrot, das erste vollständige Rezept mit Mehl, Eiern und Zucker stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Was hat es mit dem Pfannkuchen-Märchen auf sich?
„Vom dicken fetten Pfannekuchen“ ist ein deutsches Märchen aus dem 19. Jahrhundert, das von einem lebendig gewordenen Pfannkuchen erzählt, der seinen Bäckern davonläuft, vergleichbar mit dem amerikanischen Gingerbread Man.

Warum war der Eierkuchen in der DDR so beliebt?
Weil er mit wenigen, meist vorhandenen Zutaten wie Mehl, Milch und Eiern schnell zubereitet war und sowohl süß als auch herzhaft auf den Tisch kam, vom Sonntagsfrühstück bis zum Snack nach der Schule.

Titelbild: Eierkuchen gerollt mit Erdbeere / ©teresaterra/depositphotos.com

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